
Ein Bad ist energetisch ein Sonderfall. Die Grundlast läuft rund um die Uhr, die Spitzen folgen dem Besucherandrang, und die größten Verbraucher – Umwälzung, Lüftung, Warmwasser – lassen sich nur begrenzt verschieben. Genau deshalb ist ein Bad ein gutes Objekt für ein integriertes Energiekonzept.
Das Lastprofil war die eigentliche Aufgabe
Vor der ersten Modulreihe stand die Messung. Über einen vollen Jahreszyklus haben wir Viertelstundenwerte ausgewertet: Umwälzpumpen, Lüftung, Warmwasserbereitung, Beleuchtung, Gastronomie. Das Ergebnis war eine ungewöhnlich hohe, sehr konstante Grundlast mit ausgeprägten Vormittags- und Abendspitzen und einem deutlichen saisonalen Versatz zwischen Bedarf und Ertrag.
Eine reine Ertragsoptimierung hätte hier zum falschen Ergebnis geführt. Entscheidend war nicht, wie viel Kilowattstunden die Anlage produziert, sondern welcher Anteil davon direkt im Objekt verbraucht wird – und wie stark sich die Leistungsspitzen kappen lassen.
Bei einem Bad zahlt sich nicht die größte Anlage aus, sondern die, deren Erzeugung zum Verbrauch passt.
Auslegung entlang des Verbrauchs
Die Dachbelegung folgt deshalb nicht der maximalen Südausrichtung, sondern einer bewussten Ost-West-Verteilung. Das senkt den Jahresertrag pro Kilowattpeak leicht, verbreitert aber die Erzeugungskurve über den Tag – und trifft damit die Morgen- und Abendspitzen des Badebetriebs deutlich besser.
Der Speicher wurde nicht als Autarkiespeicher dimensioniert, sondern als Puffer für die Tagesverschiebung und als Werkzeug zur Lastspitzenkappung. Sein Nutzen liegt zu einem erheblichen Teil in der reduzierten Netzanschlussleistung, nicht nur in den verschobenen Kilowattstunden.
Die Bausteine der Anlage
- Dach-Photovoltaik in Ost-West-Belegung, abgestimmt auf die Tragreserve der bestehenden Konstruktion
- Batteriespeicher für Tagesverschiebung und Kappung der Leistungsspitzen
- Lastmanagement mit Priorisierung von Umwälzung, Lüftung und Warmwasserbereitung
- Messkonzept mit Untermessung der Großverbraucher als Grundlage für den laufenden Betrieb
- Monitoring mit Alarmierung bei Abweichung vom erwarteten Ertragsprofil
Lastmanagement statt Abschaltung
Das Lastmanagement schaltet keine Verbraucher ab, sondern verschiebt sie innerhalb ihrer technisch zulässigen Fenster. Die Warmwasserbereitung wird vorgezogen, wenn Überschuss verfügbar ist. Die Umwälzung läuft in Stufen, die sich am Ertrag orientieren, solange die hygienischen Vorgaben eingehalten bleiben. Der Betrieb merkt davon nichts – und genau das ist die Anforderung an ein öffentliches Bad.
Was im Betrieb bleibt
Nach der Inbetriebnahme beginnt die eigentliche Arbeit. Ein Energiekonzept, das nicht nachgeführt wird, verliert innerhalb weniger Jahre einen relevanten Teil seines Nutzens – weil sich Betriebszeiten ändern, Verbraucher dazukommen und Sollwerte verstellt werden. Das Monitoring ist deshalb kein Zusatz, sondern Bestandteil des Konzepts.
